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CHRONIK DES MS STADT WIEN

 


Technische Daten
:

Stapellauf: 1939
Bauwerft: DDSG Werft Korneuburg NÖ
Länge: 77,70 m
Breite über Rumpf: 8.40 m
Breite über Radkasten: 16. 20 m
Motorisierung: 2 8 Zylinder Dieselmotoren mit 920 PS

Antrieb: Dieselelektrisch
2 Stk. 8-Zylinder Sulzer Winterthur 4 Taktmaschinen mit insgesamt 920 PS/ 676 kW (Original aus dem Jahre 1938), diese wirken auf 2 Generatoren der
Fa. Brown Boveri zur Stromerzeugung. Mit diesem geregelten Strom werden zwei E-Motoren betrieben, welche wiederum über ein DEMAG Untersetzungsgetriebe 1:10 auf die Radwelle und auf die Schaufelräder wirken.

Gewicht des Schiffes: ca. 600 t,
Höchstgeschwindigkeit: ca. 22 km/h

Die "Stadt Wien"und ihr Schwesternschiff "Stadt Passau" waren die ersten dieselelektrischen Schiffe auf der Donau, was in den einschlägigen Medien
zur damaligen Zeit auch entsprechend gewürdigt wurde.

Jungfernfahrt

Jungfernfahrt zu Beginn des Jahres 1939 mit 650 Mitarbeitern der Werft Korneuburg in die damalige Gauhauptstadt Krems, wobei ein Redakteur der Zeitschrift "Donaupost" sich begeistert darüber äußerte, die Stadt Wien sei das erste dieselelektrische Fahrgastschiff der DDSG. Zwei Dieselmotoren mit Dynamos gekoppelt, welche den Strom für die Elektromotoren erzeugen, die dann die Radwelle für die Schaufelräder antreiben. Dies sei "Ostmärkische Wertarbeit". Besonders erwähnt wurde, daß es an Bord des neuen Schiffes keine Kohle und auch keine schwitzenden Heizer mit nacktem Oberkörper mehr gäbe. Das war neu und auch deshalb erwähnenswert.

Kriegsjahre

Vorgesehen war das Schiff für den Linienverkehr auf der Strecke Wien - Passau. Dieser Verkehr wurde jedoch bereits im August 1940 eingestellt.
Wie auch andere DDSG Fahrgastschiffe wurde die Stadt Wien in den folgenden Jahren als KdF (Kraft durch Freude) Schiff, als Ausflugsschiff für Wehrmachtsangehörige sowie als Transportschiff für Verwundetentransporte und schlußendlich für Evakuierungen von Flüchtlingen verwendet.
Der 1.März 1945 war einer der schwärzesten Tage für die "Stadt Wien". Von Preßburg, dem heutigen Bratislava kommend mit Flüchtlingen an Bord, wurde die "Stadt Wien" in der Nähe von Tulln Ziel eines Fliegerangriffes. Nach einem Bombentreffer, bei welchem der Kapitän und der Steuermann getötet wurden (lt. anderen Unterlagen gab es 34 Tote und über 80 Verletzte), strandete das führerlose Schiff, konnte jedoch wieder flottgemacht und vor den nachrückenden russischen Truppen nach Linz in Sicherheit gebracht werden.

Nachkriegszeit

Nach Kriegsende fuhr die "Stadt Wien" wiederum mit Soldaten. Dem Feldgrau der Wehrmacht folgten die Khakiuniformen der Amerikaner. Unter amerikanischer Flagge pendelte das Schiff zwischen Linz und Passau. Die amerikanische Flagge wurde auch nicht eingezogen, als Ende der 40er Jahre der Linienverkehr Linz - Engelhartszell aufgenommen wurde. Man traute den sowjetischen Besatzern des Mühlviertels nicht ganz. Aus Sicherheitsgründen und um einer eventuellen Beschlagnahme des Schiffes (die DDSG war von der Sowjetmacht bei Kriegsende als deutsches Eigentum deklariert worden) entgegenzuwirken, wurden auch nur Stationen am rechten Ufer (amerikanische Zone) angefahren.

Die Triumphfahrt

12. Juli 1952 Die Triumphfahrt der Stadt Wien. An diesem Tag befuhr erstmals wieder ein Passagierschiff unter österreichischer Flagge die gesamte Donau von Linz bis Wien. Die "Stadt Wien" unter dem Kommando von Kpt. Josef Ruff fuhr mit etwa 350 Gästen von Linz kommend von der amerikanischen in die sowjetische Besatzungszone, nach einer genauen Kontrolle der unbedingt notwendigen Identitätskarten ( viersprachig, mit einer Unzahl von Stempeln und Vermerken ) durch die russischen Kontrollorgane (1 Kapitänleutnant und 10 Marinesoldaten der Sowjetarmee kamen an Bord) in Au (einige Kilometer stromabwärts von Mauthausen), durfte das Schiff weiter zu Tal fahren. In Grein, Ybbs und anderen Stationen wurde Zwischenstopp gemacht, wobei das Schiff überall mit Jubel empfangen wurde. Nicht nur die Stadt Wien, sonder auch das als Beischiff mitfahrende Dampfschiff "Johann Strauß". Um 16:20 Uhr kamen die Schiffe nach Krems wo abermals ein großer Empfang mit Musik, Trachtengruppen usw. stattfand. Abends um 19:30 traf die Stadt Wien in Wien ein, wo sie von dem damaligen Bürgermeister Franz Jonas und unzähligen Menschen empfangen wurde. Für alle Anwesenden war dieses Eintreffen eines DDSG Schiffes mit der österreichischen Flagge am Bug und am Heck ein Symbol für die Wiedererstehung eines eigenständigen Staates Österreich.

In den Jahren danach, bzw. nach Unterzeichnung des Staatsvertrages fuhr MS "Stadt Wien" im Einsatz Linienverkehr Wien - Passau - Wien und ist sicher vielen Passagieren als Reisemittel bei Schulausflügen, Wallfahrten und auch bei Familienausflügen in guter Erinnerung.

1996 - bis heute

1996 - bis heute Nach Ende und Liquidierung der Donau-Dampfschiffahrtsgesellschaft wurde das Schiff "Stadt Wien" vom damaligen Bürgermeister der Stadt Tulln KR Willi Stift, angekauft und generalüberholt. Es hat seitdem den Heimathafen Tulln, wo es als Restaurantschiff und auch für Tagesausflugsfahrten sowie als Charterschiff zum Einsatz kommt.

 

Quellenverzeichniss:

Internet
Biographie von Kpt. Josef Ruff
Virtueller Kulturstammtisch Mautern 2002

diverseLiteratur:
Scherer Vom Raddampfer zum Schubverband
DDSG Rot - Weiß - Rot auf blauen Wellen Jubiläumsband
Steindl Historisches vom Strom Bd. XVI Schifffahrt auf der Donau
diverse Nachschlagwerke, persönliche Erinnerungen